Erinnern für die Zukunft – Jüdisches Leben, Geschichte und Gegenwart
In der diesjährigen Projektwoche der Jahrgangsstufe 10 stand ein zentrales Thema im Fokus: „Erinnern für die Zukunft – Jüdisches Leben in Coesfeld, Geschichte der NS-Zeit und jüdische Gegenwart“.
Die Schülerinnen und Schüler setzten sich sowohl künstlerisch-kreativ als auch historisch und interaktiv mit verschiedenen Aspekten jüdischer Geschichte und Kultur auseinander und leisteten damit einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur.
Künstlerische Annäherung: Dioramen zu Biografien jüdischer Jugendlicher
Ein Teil der Projektgruppe arbeitete – initiiert durch die städtische Jugendförderung des Kreises Coesfeld – freiwillig und vor allem zusätzlich unter der künstlerischen Leitung von Jutta Meyer zu Riemsloh (Kunstverein Münsterland) an einem besonders berührenden Vorhaben:
Die Jugendlichen erstellten 15 eindrucksvolle Dioramen, die das Leben und die Schicksale jüdischer Jugendlicher nachzeichnen. Grundlage der kreativen Arbeiten waren reale Biografien, die den Schülerinnen und Schülern auf persönliche und emotionale Weise die zerstörten Lebenswege jüdischer Kinder und Jugendlicher näherbrachten.
Parallel dazu entstand unter der Leitung von Gaby Kaudewitz (Jugendförderung Coesfeld) und der Künstlerin Ulla Vienken (Münster) ein Erfahrungs-Parcours in der ehemaligen Synagoge. Dieser machte Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes „begehbar“ und eröffnete den Teilnehmenden einen besonderen Zugang zur jüdischen Vergangenheit Coesfelds.
Unterstützt wurde das künstlerische Projekt durch zahlreiche Expertinnen und Experten aus der Region:
📚 Norbert Damberg (Stadtarchiv)
🏛️ Christina Sievers-Fleer & Anne Grütters (Stadtmuseum)
🎎 Stefanie Jung (Puppen- und Spielzeugmuseum)
📖 Rebekka Schlappa & Natascha Kaulingfrecks (Theo)
Ermöglicht wurde dieses außergewöhnliche Projekt durch die Förderung von Frau Löhrmann, Antisemitismusbeauftragte NRW.
Interaktive Einführung: „Quiz Mazel Tov“ (מזל טוב)
Der zweite große Teil der Projektwoche widmete sich der historischen, religiösen und gesellschaftlichen Dimension jüdischen Lebens – damals und heute.
Zum Auftakt nahmen die Schülerinnen und Schüler am interaktiven Format „Quiz Mazel Tov“ teil, moderiert von Nina Coenen und Sami Alkomin vom Verein DemokratieLotsen e.V..
In fünf Themenblöcken setzten sich die Jugendlichen mit zentralen Fragen auseinander:
- Jüdischer Glaube
- Jüdische Traditionen und Feste
- Geschichte des Antisemitismus
- Jüdisches Leben in Deutschland
- Der Nahostkonflikt
Durch das lebendige Quizformat entstand ein offener, dialogorientierter Zugang zu komplexen Themen.
Historische Spurensuche in Coesfeld
Im Anschluss erkundeten die Klassen bedeutende Orte jüdischer Geschichte in der Stadt:
Das Stadtmuseum Coesfeld, die ehemalige Synagoge und verschiedene historische Stationen im Rahmen eines Stadtrundgangs machten sichtbar, wie prägend jüdisches Leben für Coesfeld war – und welche Spuren die Zeit des Nationalsozialismus hinterlassen hat.
Besonders eindrucksvoll waren die von den Schülerinnen und Schülern erarbeiteten Steckbriefe jüdischer Coesfelderinnen und Coesfelder, darunter die bewegende Lebensgeschichte von Wilhelmine Süßkind, die in einem bildgestützten Vortrag von Frau Haßkamp vorgestellt wurde.
Begegnung mit jüdischem Leben heute: Besuch der Synagoge in Münster
Ein besonderes Highlight war der Besuch der aktiven jüdischen Synagoge in Münster.
Dort berichtete ein Gemeindemitglied offen über das religiöse Leben, die Bedeutung jüdischer Traditionen sowie das heutige Leben als Jüdin in Deutschland. Diese persönliche Begegnung ermöglichte unmittelbare Einblicke in jüdische Identität und Alltag im Jahr 2025.
Digitales Erinnern: „Inside Auschwitz“ in 3D
Am Abschluss der Projektwoche erlebten die Jugendlichen mithilfe von VR-Brillen des Medienzentrums des Kreises Coesfeld die immersive 3D-Dokumentation „Inside Auschwitz“.
Der eindringliche Film vermittelte ein intensives, emotionales Verständnis der historischen Orte und Schicksale und verdeutlichte erneut die Bedeutung eines aktiven Erinnerns.
Fazit
Die Projektwoche verband auf eindrucksvolle Weise historisches Lernen, künstlerisches Arbeiten, persönliche Begegnungen und moderne Lernformen.
Die Schülerinnen und Schüler erhielten einen tiefen Einblick in jüdisches Leben – in Coesfeld, in Deutschland und in der Geschichte – und setzten ein klares Zeichen für eine lebendige Erinnerungskultur.
Herzlichen Dank an alle Beteiligten für ihr Engagement gegen das Vergessen und für eine Zukunft, in der Respekt, Demokratie und Menschlichkeit im Mittelpunkt stehen.
